Die Ummauerte Stadt

Meine Hölle ist sechs Quadratmeter groß. Ich dachte immer, die Hölle wäre dunkel. Doch in meiner Hölle ist es hell. 24 Stunden am Tag. Was ein Tag ist, habe ich vergessen. Zu lange bin ich schon hier. Was das ist, hier, ich weiß es nicht. Ein weißer Raum. Ein metallenes Bett. Ein Waschbecken. Ein Klo. Licht aus Neonleuchten in der Decke. Unter Panzerglas in rund drei Metern Höhe.

Eine unbekannte Person verfällt in Isolationshaft mehr und mehr dem Wahnsinn. Nur die Gedanken an das Leben vor der Gefangenschaft bewahren sie davor, vollends an der grauen Monotonie in der kargen Zelle zu zerbrechen.

 

Wie bin ich hergekommen? Es gab ein Leben davor. Ein Leben, das man Leben nennen konnte. Auch wenn es sicher nicht das war, was ich mir als Kind erhofft hatte. Eingesperrt, das war ich schon immer.

 

In den völlig verwüsteten Außenbezirken flieht der Sammler Jeremiah vor Soldaten und schafft es zurück in die Ummauerte Stadt, ein riesiges Wohnghetto unter der totalitären Kontrolle des Staates, deren Vertreter weit entfernt im luxuriösen Geschlossenen Bezirk leben. Ihre Macht sichert sich die Regierung durch das Monopol auf Nahrung, bestehend aus Algen und Fleisch. Die Nahrung wird im Werk unter der Leitung des bizarren Wissenschaftlers Dr. Lang produziert, der zu Forschungszwecken auch Menschenversuche durchführt.

 

Dr. Langs Augen begannen zu leuchten. „In meiner Utopie gibt es keine schwachen, keine minderbemittelten, und erst recht keine kranken Menschen. Es gibt nur eine Art: den perfekten Menschen. Die Schwachen, Kranken, Dummen, sie alle werden aussortiert. Wer braucht sie schon? Wer waren denn die Leute, die die Menschheit nach vorne gebracht haben? Einstein, Galilei, Mozart, Goethe, Aristoteles, allesamt Genies. Genies auf ihrem Gebiet, ohne die sich die Menschheit nie so entwickelt hätte, wie sie heute ist. Und was haben die Schwachen dazu beigetragen? Sie haben die Entwicklung dieser Genies behindert. Weil sie sie nicht verstanden haben. Oder erst nach vielen vielen Jahren. Wozu braucht man die Schwachen also?“

 

Die Regierung kontrolliert sämtliche Lebensbereiche: Nahrung, Wohnungszuteilungen, Ausgangszeiten, alles. Jeremiah hadert mit den katastrophalen Zuständen, unter denen er und seine Freundin Riana in der Ummauerten Stadt leben. Gemeinsam mit Bezirkskommunikator Goran plant er einen Anschlag, um die Regierung zu destabilisieren. Zwei Soldaten sterben durch die Aktion, als Konsequenz beschließt die Regierung, noch härter gegen die Bevölkerung vorzugehen. Dabei wird Riana gefangengenommen, Jeremiah versinkt daraufhin in Selbstvorwürfen.

 

Was habe ich nur getan? Was habe ich getan? Ich habe Menschen geopfert. Nicht nur Soldaten. Menschen von hier. Aus diesem Haus. Meine Nachbarn. Ich habe Riana geopfert. Was für ein elendes Schwein ich doch bin. Niemanden von diesen Menschen habe ich um Erlaubnis gefragt. Niemanden. Sie hatten keine Wahl. Ich habe für sie entschieden. Dazu hatte ich kein Recht. Riana … Wo bist du? Es tut mir so leid. Ich kann es nicht rückgängig machen. Es tut mir so leid. Du hattest Recht. Mit allem. Und alles ist meine Schuld. Ich will nicht mehr leben.

 

Trotz seiner Schuldgefühle agitiert Jeremiah weiter gegen die Regierung. Um sich aus der Abhängigkeit zu befreien, macht er mittels Flugblättern eine Anleitung zum Anbau von Algen der gesamten Bevölkerung zugänglich, woraufhin die Regierung die bislang härtesten Maßnahmen beschließt. Das Resultat ist grausig: Es kommt zur Deportation eines Großteils der Bewohner in ein separates Lager innerhalb des Werks. Jeremiah gelingt die Rettung in die U-Bahn-Schächte unterhalb der Außenbezirke. Er hat nur noch ein Ziel: Riana retten.